CD-Rezension / Review / Kritik

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johnny marr playland

Johnny Marr
„Playland“
(Rykodisc/Warner)
Kein Zweifel: Johnny Marr will’s wissen. Vor eineinhalb Jahren erschien „The Messenger“, sein beachtliches erstes Album unter eigenen Namen, und an die Songs des Nachfolgers setzte sich der frühere The Smiths-Gitarrist sofort nach der letzten Tour. Nun war Marr unbestritten mehr als mitverantwortlich für den Sound der vermutlich größten Britpop-Band aller Zeiten, hatte im Vergleich mit Frontmann Morrissey aber zu Unrecht immer mit einem gewissen Coolness-Handicap zu kämpfen. Zwar hält der Hörer kurz den Atem an, wenn Marr „Playland“ listig selbstreferenziell mit einem an The Smiths’ „How Soon Is Now?“ erinnernden Reverb eröffnet –  danach jedoch geht „Back In The Box“ sofort in die Vollen, lässt die Gitarren jaulen und schraubt das Tempo hoch. Auch die Single „Easy Money“ ist von schnittigem Drive befeuert, bevor es im schwer rockenden „Dynamo“ breitbeiniger zur Sache geht. Fans der ersten Stunde, die nun fürchten, nicht auf ihre Kosten zu kommen, sei hingegen eher der prächtig aufblühende Jangle-Pop von „The Trap“ und „This Tension“ empfohlen – zwei Stücke, in denen Marr sich immer mehr dem entgeisterten Gesangsstil von Bernard Sumner annähert. Halten wir uns aber lieber nicht mit der Frage auf, ob es womöglich bald wieder etwas vom gemeinsamen Projekt Electronic zu hören gibt, solange New Order nicht ihr erstes Album für Mute im Kasten haben. Denn mit einer Platte wie „Playland“ in der Hinterhand hat Marr es schlicht nicht nötig, sich in anderen Bands zu verdingen.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.


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