CD-Rezension / Review / Kritik

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northern lite vs. the white noize wooden playground

Northern Lite vs. The White Noize
„Wooden Playground”
(UnaMusic/Rough Trade)
Ein Fall von leicht, aber doch deutlich und schmerzhaft verhoben. Die Erfurter Band um Sänger Andreas Kubat, die es 2006 mit ihrem selbsternannten Neo Pop und dem Album „Unisex” immerhin bis auf Platz 29 der deutschen Verkaufscharts schaffte, versucht sich aktuell an weichgespültem Pseudo-Jazz mit suggeriertem Tiefgang. Dabei kooperieren sie mit den befreundeten Musikern von The White Noize. Herausgekommen ist Konsensmucke für kleinstädtische Gratis-Festivals, wo alles beklatscht wird, was anderentags in Kita und Schule unter Kollegen als Gesprächsthema Ambach ist. Dabei lässt der Beginn aufhorchen, erweckt er doch Erinnerungen an die famosen Hannoveraner Remain In Silence („Fountainhead”), doch zu früh gefreut. Spätestens bei der im (durchgängig) schlecht intonierten Englisch vorgetragenen Bukkake-Ballade „In Japan“ stehen die Nackenhaare auf Orkantief. David Sylvian für Arme? Das kann es doch nicht sein! Aber es wird noch ärger, Textzeilen wie „Gimme your number / gimme your number / gimme your number / cause I need it now badly / right now / as long as you are friendly“ mögen die Verweigerung, dieses Missverständnis weiter zu kommentieren, entschuldigen. Meine Nummer dürfen Northern Lite gerne haben, aber bitte nicht anrufen.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2014.

Saturday the 24th.
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