CD-Rezension / Review / Kritik

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Blutengel Leitbild CD Cover

Blutengel „Leitbild”

(Out Of Line/Rough Trade)
Blutengel haben für „Leitbild“ wahrhaft keine Kosten und Mühen gescheut, um ihren Fans das neue Album in meisterlichen Sammlerversionen zu kredenzen. Die ultimative Fan-Edition Box, die „Chris Pohl – Lebe deinen Traum – Das Hörbuch“ umfasst, dürfte für alle Kenner der Band das attraktivste Bundle darstellen, da das Hörbuch nach eigenen Angaben des charismatischen Frontmanns echte Einblicke in seine Denkweise gibt. Doch kommen wir nun endlich zu Blutengels Musik, die schon immer von ihren Hatern belächelt wurde, doch in punkto szeneübergreifende Resonanz beachtliche Erfolge vorzuweisen hat. Blutengel präsentieren sich 2017 erwachsener und eleganter als je zuvor – man merkt dem Sound des Berliner Dark Pop-Acts deutlich an, dass die vielen Liveerfolge und auch die Gothic Meets Klassik-Erfahrungen das Duo Pohl/Goldmann deutlich hat reifen lassen. Während Ulrike auf „Leitbild“ sich stimmlich auch beeindruckend an lautere Passagen („Black“) gewagt hat, überzeugt Frontvampir Chris durch kontinuierlich leidenschaftlicheren Einsatz seines Organs in Songs wie „Welcome To Your New Life“ oder „Say Something“(hat echt was von The Sisters Of Mercy!!!). Deutlich mehr Gewicht haben auch die Lyrics, da mit diesem Album intensiver als früher deutlich wird, dass Blutengel mit ihren Texten nicht nur im bittersüßen Herzschmerz-Melancholie-Cocktail rühren, sondern ihre Hörer dahin stupsen möchten, mit offenen Augen und verantwortungsvollen Herzen durchs Leben zu gehen („Alle Wunden“). Dabei sind sie zwar noch lange nicht bei einem künstlerischen Anspruch eines Konstantin Weckers angelangt, doch ich persönlich höre Blutengel dadurch von Album zu Album lieber! Als Highlights Longplayers würde ich neben der Vorabsingle „Complete“ den Titeltrack „Leitbild“ (fast schon Eisbrecher-Sound!) und „Lebe deinen Traum“ (Radionummer!) benennen, da sie in gewisser Weise das musikalische Blutengel-Universum gekonnt um feine neue Akzente bereichern. Das explosive „Waste My Time“ sei als Club-Nummer noch hervorzuheben, während man mit „Wasting The Years“ und „Scars“ deutlich etwas fürs Herz liefert.
Medusa

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2017.
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