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IAMX Unfall CD Cover

IAMX „Unfall”

(Caroline/Universal)
Wenn Chris Corner einen „Unfall” baut, dann ist der meist emotionaler Natur und findet in den Texten seelisch tief empfundener Stücke wie „Oh Cruel Darkness Embrace Me“ oder „I Am Terrified“ statt. Nicht so jedoch auf seinem siebten IAMX-Album, das genau genommen gar kein reguläres ist, sondern der erste Teil einer instrumentalen Experimental-Reihe, in der Corner auf richtiggehende Songs verzichtet. An Tiefenschärfe mangelt es „Unfall“ trotzdem nicht, wie die erste Single „Little Deaths“ oder „TeddyLion“ zeigen: Minimalistischer Techno trifft auf voluminöse Synthieflächen, wobei klug eingestreute Breaks für immer wieder hochkochende geisterhafte Atmosphäre sorgen. Kontemplativer geben sich Tracks wie „Hysteria“ oder „11:11“, die Corner um verspielte Ambient-Strukturen baut, während „Trust The Machine“ oder „The Noise Cabinet“ die industriellere Seite von IAMX nach außen kehren: Basslinien schießen quer, rhythmische Ebenen verschieben sich knirschend – und geistern gelegentlich Stimmfetzen durch die verbreakt brodelnden Stücke, dann lediglich als zusätzliche Geräuschkulisse statt als bedeutungstragendes Element. Selbst The Go Go’s-Gitarristin Jane Wiedlin lässt ihren Gesang in „The Disease To Please“ durch den Häcksler jagen – und sorgt damit kurz vor Schluss für ein Highlight auf einem exquisiten, wenngleich ungewöhnlichen IAMX-Album. Und doch sind Unfälle wie diese immer gern gesehen und gehört.
Thomas Pilgrim

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