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Klimt 1918 Sentimentale Jugend

Klimt 1918 „Sentimentale Jugend“

(Prophecy Productions/Soulfood)
Nach ihren metallischen Anfängen, den hochemotionalen Lehrstücken „Dopoguerra“ und „Just In Case We’ll Never Meet Again“ sowie einer acht Jahre währenden Stille, die bereits das Ende von Klimt 1918 befürchten ließ, kredenzen die Römer um Sänger und Gitarrist Marco Soellner ein gewaltig anmutendes Doppelalbum, das erneut die Einzigartigkeit der Band unter Beweis stellt. Allein dass sie ihren melodisch treibenden Alternative Rock-Sound um dreckige Elemente aus der Garage - von Feedback bis Fuzz - erweitert haben, zeugt von dem Anspruch, sich nicht selbst wiederholen zu wollen. So klingt das Werk in beiden Teilen („Sentimentale“ und „Jugend“ sind als thematisch voneinander unabhängige Alben zu verstehen) wesentlich rauer und grobschlächtiger als seine Vorgänger. Dies könnte man bedauern, hätten sich Klimt 1918 nicht zugleich ihren Sinn für mitreißende Songdramaturgien und Refrains für gefühlte Ewigkeiten bewahrt. Hinzu kommt eine gewisse Gleichförmigkeit, die ein allmähliches Herantasten und Entdecken einfordert. Das Material fällt keineswegs mit der Tür ins Haus, sondern will nach und nach erschlossen werden. Wenn dann die Giorgio Moroder/Berlin-Schmonzette „Take My Breath Away“ den Lavafluss des Albums zum kurzzeitigen Erliegen bringt, zeigt sich darin nicht zuletzt der Unterschied zwischen schlichtem Schlager und verdammt großer Kunst.
Stephan Wolf

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