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darkher realms

Darkher „Realms“

(Prophecy/Soulfood)
Nach der sehr gelungenen Debüt-EP „The Kingdom Field“ waren die Erwartungen an Jayn H. Wissenbergs ersten Langspieler unter dem Namen Darkher groß. Würde sie die erhabene Düsternis und abgründige Schönheit von Stücken wie „Foregone“ wiederholen können? Die Antwort hätte nicht eindeutiger ausfallen können. Die besagte Nummer hat es als einziger EP-Track auf „Realms“ geschafft. Nun bildet die epische Soundwalze neben dem sehnsüchtigen, auf einem melancholischen Akustikgitarrenpattern basierenden Nachtstück „Moths“ und dem zunächst treibenden, dann in Breitwand-Verdammnis mündenden „Wars“ einen der Eckpfeiler des weitläufigen Klanggebäudes, das die Musikerin zwischen Doom, Folk und Ambient, Schwere und Leichtigkeit errichtet hat. Die Gegensätze werden dabei nicht einfach nur kontrastiert. Sie lösen sich immer wieder auf, etwa wenn die Gitarren sich aus den Abgründen von Lavariffs à la „Buried Pt. 2“ zu singenden Klagelauten aufschwingen, aber auch, wenn Jayns ätherische Stimme an Volumen gewinnt. Die Britin ist keine hauchende Elfe. Ihre Mystik hat Substanz. Hinter dem mysteriösen Schleier von „Hollow Veil“ liegt keine niedliche Blumenwiese, sondern die Natur als Urgewalt mit all ihren zarten und rauen Seiten, die über die vieldeutigen, emotionalen Lyrics zu einem Spiegel unseres Daseins wird. Trotz abwechslungsreichen und markanten Songwritings ist „Realms“ damit am Ende nicht einfach nur eine Scheibe zum Anhören, sondern eine fein ausbalancierte Gesamtkomposition zum Schwelgen.
Christoph Kutzer





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