CD-Rezension / Review / Kritik

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Fvnerals Wounds CD Cover

Fvnerals „Wounds“

(Golden Antenna/Broken Silence)
Brücken zwischen Shoegaze, Slowcore und Doom schlagend, erweist sich - nach dem Debütalbum „The Light“ - auch die zweite Full Length der Glasgower Band um Sängerin/Bassistin Tiffany Storm als architektonisches Manifest, in dessen Zentrum die Forderung nach Gebäuden stehen müsste, die ein barrierefreies Hinabstürzen ermöglichen. Wenn auch bevorzugt mit Netz oder doppelten Böden, damit die von „Wounds“ vermittelten Nahtoderfahrungen wiederholbar bleiben. Warum sollte man sich auch sonst dieses Album samt seiner schleppenden Eleganz, seiner ätherischen Ausflüchte sowie seinen Verheißungen abgrundtiefer Verlorenheit noch in den Schrank stellen? „Wounds“ ist also keine Spielwiese für chronisch suizidal Gefährdete, sondern geradezu ein Pochen auf den Wert einer Individualität, die ohne finale Hoffnung den Widrigkeiten von Person und Gesellschaft trotzt. Niederschmetternd und erhebend zugleich, entfaltet das zeitgemäß knapp unter vierzig Minuten gehaltene Minimalepos Atmosphären, die sich durchaus auch lustvoll auf die Gemüter seiner Zuhörer senkt. Es gilt, das Atmen nicht zu vergessen. Dann lässt es sich - trotz sämtlicher Wunden - komfortabel weiterleben.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2016.
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