CD-Rezension / Review / Kritik

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Fogh Depot Turmalinturm CD Cover

Fogh Depot „Turmalinturm“

(Denovali/Cargo)
Wie schon auf ihrem die Zwischenzeit schadlos überstandenen Debütalbum lassen die Moskowiter Fogh Depot auch auf dem Nachfolger „Turmalinturm“ ungeahnte Fusionen wahr werden. Auf Jazz-Akademien erlerntes Knowhow amalgamiert mit dem Charme überwiegend minimal gehaltener Electronica und weitläufigen Scapes, die neo-klassische Gefilde streifen. Assoziationen von Tuxedomoon bis Yann Tiersen tun sich auf, doch die Kunst einer lebhaft dynamisierten Erzeugung von Nachtmusik beherrscht das russische Trio auf seine ganz und gar eigene Art. Ähnlich dem Opal scheint der Turmalin je nach Lichteinfall oder Blickwinkel seine Farbe zu verändern. Diese Eigenschaft führt häufig dazu, dass dieser Edelstein gerne mit anderen Kollegen verwechselt wird. Dass Fogh Depot auf ihrem Album gleich einen ganzen Turm aus diesem optisch anspruchsvollen Trigonalkristall errichten, erweist sich als programmatische Ansage mit einem hohen Grad an Glaubwürdigkeit. Es kommt wohl darauf an, auf welchem Fuß die überschaubar mäandernden Konstruktionen auf „Turmalinturm“ den Hörer erwischen - und abholen. Nicht zuletzt die sich immer wieder einschleichenden Bassfiguren sowie ostentativ treibende Rhythmen („Alice Bob And Cypher“) entführen in wundersame Zwischenwelten aus Gefühl und Verstand. Auraler Luxus aus frisch gemischten Farben. Die Palette ist noch warm, der nächtliche Regenbogen zum Greifen nah.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2016.
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Tuesday the 14th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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