CD-Rezension / Review / Kritik

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Evanescence Synthesis CD Cover

Evanescence „Synthesis“

(Sony)
Sechs Jahre sind nach Veröffentlichung ihres letzten Werkes ins Land gezogen. Jetzt hat das Warten ein Ende: Evanescence sind zurück. Stärker, ambitionierter und leidenschaftlicher als zuvor. Mit „Synthesis“, so der Titel ihrer vierten Platte, vollbringt die US-Formation einen Drahtseilakt und vereint zwei Klangwelten zu einem dynamischen Soundkosmos, der wohl kaum kontrastreicher sein könnte. Auf der einen Seite das fulminante Orchester, bombastisch und monumental, auf der anderen Seite diffizile, elektronische Programming-Elemente. Klassik trifft auf Elektronik, Vergangenheit auf Moderne. Die daraus entstehende Symbiose ist betörend und gleichermaßen spannend, da sich gänzlich neue Facetten von bestehender Kompositionen auftun, die man so nicht vermutet hätte. Die Band um Sängerin, Songwriterin und Pianistin Amy Lee präsentiert die Hits ihrer beeindruckenden Karriere in einer frischen, progressiven Interpretation. In Zusammenarbeit mit Komponist David Campbell bewegen sich Evanescence auf innovativem Terrain, nehmen alle Stücke komplett neu mit einem Orchester auf und geben den Nummern Luft zum Atmen. So entscheiden sie sich manches Mal, eine Textpassage instrumental zu ersetzen und somit in einem kreativen Licht erstrahlen zu lassen. Der musikalische Rahmen an sich besitzt eine derartige Kraft, Energie und Emotion, sodass die Instrumental-Momente nicht nur sich selbst, sondern das gesamte Flair der Scheibe tragen. Amy brilliert mit ihrem glasklaren Mezzosopran, der innerhalb jener Klangkaskaden noch mehr im Fokus steht, und passt sich mit ihrer warmen Stimmfarbe perfekt an die jeweilige Stimmung der Songs an; ob nun druckvoll, fordernd oder fragil. „Synthesis“ ist ein intimes, atmosphärisches Album mit Tiefgang; viele der Stücke scheinen neu, fast unbekannt, zeigt sich doch einmal mehr das Potential, das ihnen innewohnt. Zwei neue, wunderbare Stücke - „Hi-Lo“ und „Imperfection“ - befinden sich auf dem Silberling und fügen sich nahtlos in das symphonische Gesamtkonzept der Platte ein.
Jasmin Froghy

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2017.
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